DDR-Unrecht aufarbeiten und wieder gutmachen

Von der DDR gestohlene Kinder müssen zu ihren Eltern finden dürfen!

Die Erfahrungen vieler Bürger mit der SED-Herrschaft sorgt bis heute für Misstrauen gegenüber dem Staat, heißt es seitens des Forschungsverbundes „Diktaturerfahrung und Transformation“ an der Universität Jena. Mit einem umfassenden Antrag hatte die FDP-Fraktion auf die vielen Themen aufmerksam gemacht, die es mehr als drei Jahrzehnte nach dem Untergang der SED-Diktatur weiter zu bearbeiten gilt. Dazu gehörten neben der Wiedereinführung der Berichtspflicht der Landesregierung auch die Forderungen nach Auskünften zum Kommunikationsverhalten der Behörden gegenüber SED-Opfern.

„Viele Menschen leiden noch immer psychisch unter den Spätfolgen des erlittenen Unrechts. Wir erwarten ihnen gegenüber deshalb eine vom Behördendeutsch abweichende Feinfühligkeit", sagt Dirk Bergner, Sprecher der FDP-Fraktion für Opfer der SED-Diktatur. „Die Aufarbeitung des in der DDR verübten Unrechts ist unentbehrlich für den inneren Frieden unserer Gesellschaft.“

Die FDP-Fraktion hat die Landesregierung darüber hinaus aufgefordert, gemeinsam mit Opferverbänden und Experten aus der Wissenschaft zu prüfen, inwiefern die Thematisierung des staatlichen Unrechts in der DDR im Schulunterricht in einem historisch adäquaten Umfang sichergestellt ist.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung bot heute zum Thema eine Veranstaltung an, die sich mit den in der DDR erfolgten Zwangsadoptionen beschäftigte. Thomas Nagel, Programmmanager der Friedrich-Naumann-Stiftung, begrüßte als Gäste Dirk Bergner und Andreas Laake. Letzterer ist Vorsitzender der 2014 gegründeten Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR e. V., war zuerst als Organisator von Opferstammtischen und Vorstandsmitglied in Hilfsorganisationen tätig.

Klar wurde während der Veranstaltung: Auch 60 Jahre nach dem Mauerbau, 32 Jahre nach der friedlichen Revolution und 31 Jahre nach der Wiedervereinigung wissen viele Eltern bis heute nichts über ihre Kinder. Kinder von politisch auffällig gewordenen Eltern wurden in der DDR zur Zwangsadoption freigegeben. Bis zu 10.000 Kinder soll die DDR-Diktatur gegen ihren Willen und gegen den Willen ihrer Eltern zur Adoption freigegeben haben.

Andreas Laake ist ein Betroffener. 1984 wollten er und seine schwangere Frau aus der DDR fliehen. Ihr Plan flog auf. Laake kam ins Gefängnis. Ohne sein Einverständnis entzogen ihm die DDR-Machthaber 1986 seinen Sohn. Fast 30 Jahre lang suchte Laake sein Kind, kämpfte gegen die Systeme. 2013 hatte dann endlich ein Aufruf im Fernsehen Erfolg. Vater und Sohn fanden sich wieder.

Hintergrund
Ein im Thüringer Landtag eingereichter Antrag der FDP-Fraktion steht unter der Überschrift „Wider das Vergessen – Unrecht im Staat der DDR aufarbeiten, wiedergutmachen und ernst nehmen“. Er ist in der öffentlich zugänglichen Parlamentsdatenbank als Drucksache 7/3265 abrufbar.

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