Ausstellung zum Schicksal der befreiten KZ-Häftlinge im Frühjahr 1945

In bewegenden Geschichten erzählt die Wanderausstellung „Befreit! Und dann?“, die heute in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen eröffnet wurde, von den Schicksalen der befreiten Häftlinge in den Konzentrationslagern am Ende des Zweiten Weltkriegs, am Ende der Nazi-Diktatur. Während seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung dankte Thüringens Landtagsvizepräsident Dirk Bergner der Gedenkstätte Bergen-Belsen und den Studierenden von Prof. Wagner an der Universität Hannover, die diese Ausstellung erarbeitet haben. „Ich wünsche uns erhellende Erkenntnisse und der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher“, so Bergner.

„In der Schule hatte ich gelernt, dass mit dem Sieg über den Faschismus auch die befreiten Häftlinge der Konzentrationslager in ihren Entscheidungen frei geworden waren. Die Alliierten erzwangen in einem langen und blutigen Kampf die bedingungslose Kapitulation Hitlerdeutschlands, die Welt war erlöst – zwölf Jahre schlimmster Terror waren vorüber. Die mörderischen Spuren sind bis heute in unseren Gedenkstätten sichtbar: Millionen Tote,  Millionen Vertriebene,   Millionenfach zerstörte Heimat. Der Krieg schuf großes Elend und tiefes Leid, welches mit bisherigen Maßstäben nicht zu messen ist.

Für die Überlebenden der Konzentrationslager war die Befreiung das ersehnte Ende von Terror und Todesangst, von Entbehrung und Entrechtung.  War das der Zeitpunkt, an dem ein bürgerliches Leben beginnen konnte?“

Zu einem Leben in Freiheit und Würde gehöre wesentlich mehr als die Abwesenheit von Terror und Todesangst, so Bergner weiter. Doch davon habe er im Schulunterricht wenig gehört. Vielleicht sei die Zeit damals noch nicht reif gewesen, weshalb blinde Flecken in der Geschichte blieben.

Die Ausstellung „Befreit. Und dann? Wege der NS-Verfolgten nach ihrer Befreiung im Frühjahr 1945“ klärt auf.

Wie erging es den Hunderttausenden Häftlingen, Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und den vielen gequälten Menschen nach ihrer Befreiung im Frühling 1945? Wer konnte in seine Heimat zurückkehren? Wer blieb in Deutschland, im Land der Täter? Wer konnte nach Israel oder in die USA auswandern? Wie begegneten sich Deutsche und befreite NS-Verfolgte?

Die Ausstellung wirft ein helles Schlaglicht auf diese Fragen. Sie macht klar, dass auch nach dem Sieg der Alliierten viele ehemalige Häftlinge enorme Schwierigkeiten hatten, ein Zuhause zu finden. Die alte Heimat war zerstört, die Familie ermordet, Besitz konfisziert, das Vaterland nicht mehr die Nation, die in der Geburtsurkunde stand – die Westverschiebung Polens und der sich anbahnende Kalte Krieg sind Beispiele. Der Krieg hatte die geopolitische Weltordnung derart zerschmettert, dass viele Menschen auch nach der Befreiung ihren angestammten Platz nicht mehr fanden.  Fotos: Luisa Hulsroj                           

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